Die Geschichte der Weltausstellungen

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Copyright: Official Catalogue 1851, Bd. 1, Beilage

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Im Kristallpalast beanspruchte Großbritannien mit seinen Kolonien für seine 6.900 Aussteller etwa die Hälfte der zur Verfügung stehenden Fläche. In der östlichen Hälfte des Kristallpalasts stellten Firmen aus insgesamt 94 Staaten, Kolonien, sowie nichtselbständigen Fürsten- und Herzogtümern aus. Eine größere Versammlung der Nationen der Welt hatte es noch nie gegeben. Für die Präsentation der Industrieprodukte und des Kunsthandwerks hatte eine Unterabteilung der Royal Commission ein neuartiges Klassifizierungssystem entworfen. Dieses Raster musste mit der Aufteilung des Ausstellungsgebäudes nach Ländern in Einklang gebracht werden, eine nur schwer lösbare Aufgabe. Doch half dabei die klare Gliederung des Gebäudes mit seiner der Länge nach durchlaufenden Hauptachse, die ganz für Großskulpturen reserviert wurde, und mit dem gerasterten Grundriss, der in etwa 1.500 quadratische Ausstellungseinheiten aufgeteilt werden konnte. Im Querschiff wurden Palmen und andere exotische Gewächse zwischen großen Brunnen aufgestellt, die in den heißen Sommermonaten für eine Abkühlung sorgen sollten. Hier befanden sich auch Stände mit Erfrischungsgetränken und Restaurants. Weitere Lokale waren an den beiden Enden des Langschiffes untergebracht worden.

Zwar fehlten bei der ersten Weltausstellung bahnbrechende neue Erfindungen, doch ließen die zahlreichen Verbesserungen bereits bekannter Geräte und Maschinen kaum Zweifel am Nutzen der Veranstaltung aufkommen. Nur hier konnte man sich in ganzer Breite über die neuen Dampfmaschinen oder die Fortschritte im Telegraphiewesen unterrichten. Ein ganzes Seitenschiff zeigte Maschinen in Bewegung, um dem neugierigen Bürgertum ungefährdete Einblicke in Produktionsprozesse zu gewähren. Zwei große Dampfkessel, die natürlich ebenfalls mit in die Präsentation integriert wurden, sorgten für die Energie, mit der alle Maschinen zentral angetrieben werden konnten. Vor allem aber wurden in überwältigender Fülle alle nur irgend verfügbaren Erzeugnisse des internationalen Gewerbefleißes, von der Lokomotive bis zur kleinsten Präzisionsuhr vorgeführt. Aus den Kolonien kamen als Exponate vor allem Rohstoffe, die kunstvoll arrangiert wurden, um den Beitrag der unterentwickelten Länder zum Weltkreislauf des Kapitalismus symbolisch vorzustellen. Beindrucken konnte man das Publikum ebenfalls mit exotischem Kunsthandwerk und mit ausgestopften wilden Tieren. Eine eigene Sektion im Klassifizierungssystem wurde dem Kunsthandwerk zugewiesen. In diesen Bereichen brillierten vor allem die französischen Aussteller, die auch bei der Produktion von Luxusgütern führend waren.

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Royal Commission der Erziehung der Arbeiterschaft. Noch waren die sozialen Unruhen der europäischen Revolution der Jahre 1848/49 in guter Erinnerung. Mit Führungen und Ermäßigungen wurde ihnen der Besuch der Weltausstellung erleichtert. Prinz Albert sorgte sich um die schwierige Wohnsituation der Arbeiter und präsentierte neben dem Kristallpalast als eigenes Ausstellungsobjekt ein von ihm entworfenes Modellhaus, das sich durch einen durchdachten Grundriss und neuartige Baumaterialien auszeichnete. Natürlich erhielt der Prinz dafür eine Große Verdienstmedaille zugesprochen.

Die Ausstellung kam beim Londoner Publikum und den ausländischen Gästen sehr gut an, täglich reisten einige Tausend Besucher aus allen Teilen der britischen Insel oder vom Festland mit verbilligten Eisenbahntarifen an. Variable Eintrittspreise kanalisierten die Besucherströme, so konnte man sich aussuchen, ob man für teures Geld ungehindert die Exponate besichtigen oder lieber am Shilling-Tag ein Bad in der Menge nehmen wollte.


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Die Weltausstellung 1851 in London

Ein großer Erfolg


Jahr: 1851Stadt: LondonLand: Großbritannien
Dauer: 1. Mai - 11. Oktober 1851

 

 

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