Die Geschichte der Weltausstellungen

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Copyright: Tallis 1852, Bd. 2, S. 2

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Die großen Pariser Industrieausstellungen, die die französische Wirtschaft maßgeblich gefördert hatten, inspirierten die britische Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce ab 1840 zu ähnlichen nationalen Ausstellungen. Eine Kommission, angeführt von Henry Cole, präsentierte am 29. Juni 1849 Prinz Albert, dem Vorsitzenden der Gesellschaft (und Ehemann Königin Victorias), den Vorschlag, diese Industrieausstellungen zu internationalisieren. Nachdem auch das Handelsministerium seine Mitwirkung erklärt hatte, schritten Cole und Prinz Albert zur Tat. Sie beschlossen, dass die Ausstellung in einem festen Gebäude stattfinden sollte, suchten ein geeignetes Gelände und beriefen in den folgenden Monaten diverse Komitees zur Finanzierung, zur Gewinnung ausländischer Teilnehmer und zur Schaffung von Auszeichnungen.

Mit Zustimmung der Königin durfte der Hyde Park als Ausstellungsgelände genutzt werden. Die Finanzierung blieb Privatsache der Royal Society, denn die Regierung wollte zunächst die Sicherung des finanziellen Fundaments abwarten. Mittels Subskriptionen wurde in der Bevölkerung Kapital für den Bau des Ausstellungsgebäudes eingeworben. Die große Industrieausstellung bot besonders den bürgerlichen Kreisen die Gelegenheit, ihren Beitrag zum Wohlstand der Nation vorzuführen und gesellschaftliche Anerkennung zu gewinnen.

Im Januar 1850 berief die Königin eine 24-köpfige "Royal Commission" mit Prinz Albert an der Spitze. Es war eine illustre Versammlung führender Wissenschaftler, Ingenieure, Beamter und Industrieller. Auf zahlreichen Konferenzen und Reisen warben sie für breite Unterstützung aus der Bevölkerung, die sich in 330 lokalen Komitees zur Förderung und Beschickung der Ausstellung organisierte. Für die Arbeiter wurden eigens Förderkreise eingerichtet, die sie über die Pläne informieren und ihnen Reisen nach London ermöglichen sollten. Die wichtigsten ausländischen Nationen erklärten ihre Teilnahme. Selbst Napoleon III., der ursprünglich für Paris ein ähnliches Vorhaben verfolgt hatte, sagte die Mitwirkung Frankreichs zu.

Für das Ausstellungsgebäude selbst wurde erst im Juni 1850 eine Kommission gebildet. Sie prüfte 254 eingereichte Entwürfe - und verwarf sie allesamt. Ein von der Kommission selbst erarbeiteter Entwurf für eine dreischiffige, von einer gewaltigen Kuppel aus Backstein, Stahl und Eisenplatten bekrönten Halle wurde von Parlament und Presse heftig angegriffen. (Diese Monstrosität hätte auch kaum innerhalb eines Jahres gebaut werden können.) Im Parlament leisteten die Konservativen heftigen Widerstand gegen das Projekt, da die Finanzierung ins Wanken geraten war und ein großer Teil des alten Baumbestandes im Hyde Park abgeholzt werden sollte. Auch die 'Times' stellte sich auf die Seite der Gegner: Sie sah den technischen Vorsprung des Landes gefährdet, wenn das Ausland zur Industriespionage geradezu eingeladen würde.

Anfang Juli legte dann der Gartenbauarchitekt Joseph Paxton der Öffentlichkeit einen Plan vor, der sich gegenüber allen anderen Entwürfen durch seine Leichtigkeit, seine geringen Kosten und die Möglichkeit, das Gebäude schnell zu errichten und auch wieder abzureißen, auszeichnete: Paxton hatte seine Erfahrungen aus dem Bau von großen Gewächshäusern auf die neue Bauaufgabe übertragen können und arbeitete mit einigen der erfahrensten Ingenieure im Eisenbahnbau zusammen. Der Weltausstellung stand jetzt nichts mehr im Weg: Die Royal Commission wurde durch den großen Publikumserfolg des Entwurfes genötigt, ihre Zustimmung zu geben, das Unterhaus votierte mit deutlicher Mehrheit für den Ausstellungsplan. Mit der Realisierung wurde die Londoner Firma Fox & Henderson beauftragt. Noch im August wurden die ersten Betonfundamente gegossen, Ende September die ersten Säule errichtet und im Januar des folgenden Jahres stand das Gebäude, vom 'Punch' "Crystal Palace" - Kristallpalast - getauft, vor der Öffentlichkeit bestaunt, fertig da.


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Die Weltausstellung 1851 in London

Eine folgenreiche Idee und ein Überraschungscoup


Jahr: 1851Stadt: LondonLand: Großbritannien
Dauer: 1. Mai - 11. Oktober 1851

 

 

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